Kurzantwort: In vielen Fällen ist die Übersetzung eines Sicherheitsdatenblatts gesetzlich vorgeschrieben. Wer Stoffe oder Gemische in einem anderen EU-Land in Verkehr bringt, muss das Sicherheitsdatenblatt in der Amtssprache des Ziellandes bereitstellen. Verstöße können zu Bußgeldern, Vertriebsverboten und Haftungsrisiken führen.
Wann ist eine Sicherheitsdatenblatt-Übersetzung verpflichtend?
Die Pflicht zur Übersetzung ergibt sich insbesondere aus der REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006, der CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 sowie ergänzenden nationalen Chemikalien- und Arbeitsschutzvorschriften.
Grundsatz: Wird ein Stoff oder Gemisch in einem EU-Mitgliedstaat bereitgestellt oder vertrieben, muss das Sicherheitsdatenblatt in der Sprache dieses Landes verfügbar sein.
- Inverkehrbringen in Deutschland → Deutsch
- Inverkehrbringen in Frankreich → Französisch
- Inverkehrbringen in Italien → Italienisch
Wichtig: Ein englisches Sicherheitsdatenblatt ist in der Regel nicht ausreichend, selbst wenn Geschäftspartner Englisch sprechen.
Welche Unternehmen betrifft die Übersetzungspflicht?
Die gesetzliche Verpflichtung betrifft unter anderem:
- Hersteller
- Importeure
- Händler und Distributoren
- Lohnhersteller
- Private-Label-Anbieter
Entscheidend ist nicht die Unternehmensgröße, sondern das Inverkehrbringen im jeweiligen Zielland.
Wann ist eine SDS-Übersetzung zwingend erforderlich?
- gewerbliche Abgabe von Stoffen oder Gemischen
- Einstufung nach CLP-Verordnung
- grenzüberschreitender Vertrieb oder Export
- Aktualisierung des Sicherheitsdatenblatts
- Anforderungen durch Behörden, Kunden oder Audits
Hinweis: Bei Änderungen am SDS ist eine vollständige Neuübersetzung erforderlich.
Rechtliche Folgen bei fehlender oder fehlerhafter Übersetzung
- Vertriebsverbote oder behördliche Maßnahmen
- Rückrufe und Lieferstopps
- Bußgelder
- Haftungsrisiken bei Unfällen
- Compliance-Probleme bei Kunden und Audits
Besonders sensibel sind Fehler in den Abschnitten 2, 8 und 15.
Maschinelle Übersetzung: rechtlich unzureichend
Maschinelle Übersetzungen erfüllen in der Regel nicht die rechtlichen und fachlichen Anforderungen:
- normierte CLP-Terminologie
- verbindliche H- und P-Sätze
- nationale Zusatzanforderungen
Wer trägt die Verantwortung?
Die rechtliche Verantwortung liegt immer beim Inverkehrbringer. Deshalb ist eine fachlich korrekte und nachvollziehbar geprüfte Übersetzung entscheidend.
Weiterführende Informationen
Einen Überblick zu Prozessen, Qualitätssicherung und fachgerechter Umsetzung findest du hier:
Sicherheitsdatenblätter professionell übersetzen – Überblick
Fazit
Die Sicherheitsdatenblatt-Übersetzung ist häufig gesetzlich vorgeschrieben. Unternehmen, die hier ungenau arbeiten, riskieren rechtliche und wirtschaftliche Folgen. Eine normkonforme Übersetzung ist ein zentraler Bestandteil der Compliance.